Boule-Blog: 4×15 Meter

Der Wind weht sanft durchs Haar. Sonnenstrahlen bahnen sich ihren Weg durch das Geäst und noch dichtes Blattwerk, bereits orange rot leuchtend, das in beständig raschelnder Bewegung ist. Das prachtvolle Licht auf der Haut angenehm spürbar. Und trotzdem: Die Herbstzeit läutet unmissverständlich das Ende der Boulezeit im Freien ein.

Zeit, sich Gedanken zu machen. Um die nächste Saison. Das Pétanque-Spiel bringt Menschen zusammen. Wildfremde Menschen, Menschen aus anderen Kulturen, Menschen mit Charme und auch mit Chuzpe. Wir Duzen uns sofort, überall auf der Welt. Probiert es aus! Stellt Euch an einen Bouleplatz, schaut wenige Minuten zu. Ihr werdet sicher ins Spiel integriert.

Bouleplatz mit Sandfläche, umgeben von blühenden Pflanzen und einem Wohngebäude im Hintergrund.
Am Heimathaus in Altenberge (öffentlicher Bouleplatz des Heimatvereins)

Oft lese ich über Einsamkeit in unserer Zeit. Früher eher die alten Menschen, heute sogar viele Jüngere. Etwa 55% der Haushalte in Münster sind Singlehaushalte! Leute, egal welchen Alters: spielt Pétanque! Hier geht nichts ohne Teamplay. Es muss nicht gleich der Extrem-Ausdauersport sein. Spielt zusammen Boule mit netten Menschen, lacht, flucht, sprecht euch ab und habt Freude. Und zwar intergenerationell.

Es wäre vermessen zu sagen, Boulespieler sind bessere Menschen, aber sie sind anders. Was fehlt? Bouleplätze! Das Potential für diese Sportart – ja, es ist eine Sportart – liegt in der Zugänglichkeit und ist enorm. Es braucht keine teure oder große Ausrüstung. Drei Stahlkugeln je Spieler und eine kleine Zielkugel reichen völlig aus. Die Grundregeln sind einfach und schnell erklärt…und eine Boule-Fläche braucht es.

Ein Bouleplatz mit mehreren Metallkugeln und einer kleinen Zielkugel auf einem kiesartigen Untergrund, umgeben von Bäumen und einer Bank im Hintergrund.
Boulodrome im Sportpark Sentruper Höhe – Klub für Kugelsport (KfK)

Oft ist er einfach da, wird übersehen. Eine Schotterpiste, eine Fläche vor der Garage, ein Platz mit feinen Kieselsteinen. Ein leerer Parkplatz mit Schotter-Sandboden oder die Fläche aus Lehm-Sandgemisch des Biergartens, der Gaststätte. 4×15 Meter ist die optimale Spielfläche groß. Ein paar Holzbalken rundherum, damit die Kugeln nicht abhauen nach einem grandiosen Schuss: fertig ist das Boulodrome!

Es muss nicht, ja es soll nicht perfekt sein! Wellen, Unebenheiten, Steinchen machen das Spiel spannend. Alle müssen mit den gleichen Bedingungen klarkommen, das Spiel anpassen. Es ist wie im Leben. In Frankreich sind diese Plätze auf jedem Kirchplatz und an jeder Milchkanne zu finden. Jung und Alt finden spontan zum Spiel zusammen. Was hindert uns daran?

Liebe Gastronomen mit vorhandener und oft bereits geeigneter Außenfläche, Hoteliers und Gartenwirtschaften, serviert kalte Getränke und Snacks zum Spiel, setzt das Spiel als Teambuildingmaßnahme ein. Manch ein Unternehmen baut Bouleplätze für ihre Mitarbeiter. Privatleute, Gemeinden und Städte: baut mehr Bouleplätze! Bietet Boule an.

Eine Terrasse mit runden Tischen und Stühlen aus Metall, umgeben von Bäumen und einer Kiesfläche, die zur Entspannung und zum Boulespielen einlädt.
Gartenwirtschaft Werse Werk in Angelmodde-Dorf (Homannstraße) – hier fehlen nur noch die Kugeln

Kaum ein anderer Sport vermittelt dieses Gefühl von Leichtigkeit und Freiheit, gemeinsam im Spiel mit anderen Menschen. Die Herbstsonne angenehm auf der Haut verspürend, weht der Wind sanft durchs Haar.

Allez les boules!

Autor: Mark Schubert – SCG

Für die bessere Lesbarkeit habe ich das generische Maskulinum in diesem Artikel genutzt. Der Text richtet sich selbstverständlich an alle Menschen und schließt niemanden aus.

Kommentare

  1. Avatar von Ida Ruhe

    Wunderbar! Besser kann man das
    Boulen nicht schildern.

  2. Avatar von Bernd Heinzelmann Bouleabteilung FC Sürenheide

    Danke für den Denkanstoß. Manch eine Fläche, die zum Boulen geeignet ist, wird wirklich übersehen.
    Als Schwerbehinderter möchte ich darauf hinweisen, dass alle Bouleanlagen auch barrierefrei gestaltet sein sollten/müssen. – Ein bequemer, vernünftiger Zugang für Rollatoren und Rollstühle muss m.E. nach sein, ohne dass es einer fremden Hilfe bedarf. –
    Das Beispiel am Heimathaus in Altenberge ist nicht behindertengerecht.

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